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    September 29

    incorporation

    einer Woche voller Heimweh, aber auch vieler positiver Eindrücke.

    Wir haben jetzt offiziell zwei Stunden Zeit, in denen wir drei Deutsche für Deutschland arbeiten können, das ist sehr positiv. Die Franzosen haben in dieser Zeit TPE, ein Fach für das es keine Entsprechung gibt in Deutschland. Es wird in dDreier-Gruppen an einem Projekt unter einem Großthema gearbeitet, eine Problematik entwickelt und eine Präsentation ausgearbeitet. Das Großthema ist für alle Zweige (naturwissenschaftlich, sprachlich, sozialwissenschaftlich) gleich: Der Mensch und die Natur. Und die Gruppen können dann an eigenem Unterthema arbeiten, unter Berücksichtung ihres Schwerpunkts. Die Benotung und Präsentation dieses Langzeitsprojekts erfolgt im März, ist für uns also uninteressant und wir sind freigestellt um für Deutschland zu arbeiten, wie gesagt.
    Während wir die Zeit nun aber auch nutzten um uns Mathe anzueignen, überkamen uns stille Zweifel, ob wir nicht doch zu viel verpassen... immerhin verpassen wir wöchentlich fünf Schulstunden und dann kommen noch mal Hausaufgaben dazu... Insgesamt haben wir schon mehr als 100 Schulstunden verpasst. Eigentlich erschreckend...

    Die Woche haben wir viele Tests geschrieben, teilweise, na ja, amüsant, Mathe zum Beispiel, teilweise grauselig, HGEO anglais zum Beispiel. Aber wir haben auch einen ersten Test zurückgekriegt, nämlich unserer Autobiographie aus Französisch, die unbenotet blieb. Für uns zumindest.
    Ich habe katastrophal viele Fehler, mehr als die anderen beiden, dafür ist mein der Text der litteraristischste. Ganz toll... wir haben die Fehler mit unserem CDI-Surveillant verbessert, der, wie glaube ich schon geschrieben, neun Monate in Deutschland gelebt und studiert hat.

    Mittwochnachmittag haben wir mal wieder in der Stadt mit einkaufen und so Sachen verbracht. Außerdem hat sich Alexander zum Frisör getraut, von denen es hier ja wirklich en masse gibt, die aber noch nicht mal fähig sind, diese Umhänge, die die Kleidung vor den Haaren schützen sollen, richtig anzubringen. Der arme Alex ist bald gestorben...
    Anschließend wollte ich eigentlich noch was mit einem Franzosen machen, der in meiner Klasse ist, aber das hat lustigerweise irgendwie nicht so ganz geklappt, weil er sich mit mir da-und-da treffen wollte, und ich da-und-da aber nicht hatte verstehen wollen, und daraufhin da-und-da eine kurze Zeit lang gewartet habe, mir dachte, dass ich sehr wahrscheinlich falsch bin und ohne Handy und ohne Anhaltspunkt ihn auch nicht finden würde. Bin dafür zwei Stunden allein, in aller Freiheit quer durch Bourg-en-Bresse gelaufen, durch Fußgängerzone, Gassen, Hauptstraßen, Unterführungen, Parks, und habe es genossen. Außerdem habe ich die Zeit genutzt um die Tanzschule zu suchen. Anschließend habe ich mich in einen x-beliebigen Park auf ne Bank gesetzt und nichts gemacht.

    Als ich gegen fünf zur Schule zurück ging, lief mir der Franzose über den Weg der mich zwei Stunden gesucht hatte und sich total Sorgen gemacht, weil mich irgendein Freund von ihm mit irgendeinem alten Mann hatte sprechen sehen und mich schon für gekidnapped gehalten hatte.
    In den Études fingen dann meine Kopfschmerzen an, die ich bis Donnerstagabend nicht loswerden wollte. Außerdem kamen Gliederschmerzen und Halsschmerzen hinzu und Schüttelfrost. Nachts konnte ich nicht schlafen, weil mir kalt und heiß gleichzeitig war, Donnerstag bin ich mit drei Jacken rumgelaufen, weil mir so von innen heraus kalt war, wobei Donnerstag sowieso einfach nicht mein Tag war. Morgens also unausgeschlafen, verfroren angefangen, in der ersten Stunde schlechte Neuigkeiten erfahren, anschließend ins Kino, und mit Kopfschmerzen einen bewegenden Film auf englisch mit französischen Untertiteln über den Civil War in Ireland 1920 gesehen. Zum Mittagessen gabs nur fleischhaltiges Zeug zu meinem Spott, dann hatten wir Sport, weiterhin verfroren mit Kopfschmerzen und zu allem Unglück Sprintübungen, die ineffektiver nicht sein könnten. Dabei eine Partnersprintübung, bei der mich mein Partner so nett umgenietet habe, dass ich selten unglücklich auf meinen Oberschenkel gefallen bin. Der Sportunterricht war also auch eher gelaufen für mich.
    In den folgenden zwei Stunden, in HGEOangl haben wir dann wir schon gesagt einen Test geschrieben über den am Morgen gesehenen Film, was ja noch gegangen wäre, aber leider in Anknüpfung an die vorangegangen Stunden, in den wir behandelt haben, wie man historisches Material analysiert und das war dann wieder nicht ganz so einfach.
    Ich bin Donnerstagabend also sehr dankbar ins Bett gefallen.

    Heute gehts mir wieder gut. Ich hatte glaube ich einen Sonnenstich von meiner Wanderung durch Bourg-en-Bresse.

    Freitag ist ein sehr ungewöhnlicher Tag, zumindest, weil man nicht weiß wie man ihn empfinden soll. Rein Stundenplanmäßig ist er der furchtbarste, aber dafür ist er der letzte Tag der Woche und man freut sich gleichzeitig aufs Wochenende.

    Ach, ich habe was essenstechnisch Tolles entdeckt, was ich am Anfang absolut suspekt fand, aber nachdem ich es jetzt ausprobiert habe, viel zu gut finde. Hier wird ja nicht aus Tassen getrunken, sonderen aus Schalen, "boule" genannt", und die Franzosen tunken in ihr Getränk einfach alles Kohlenhydrathaltiges was man zum Frühstück verzehren kann. Samt Belag. Also Baguette mit Marmelade oder Nutella, Croissants, Zwieback oder Keks in Kaffee, Kakao, Milch oder Tee. Das klingt eklig, ich habs vier Wochen nicht ausprobiert, aber Donnerstag gab es so frisches Baguette wie noch nie und da ich eh nicht gut drauf war, hab ich das ausprobiert und fands einfach zu gut.

    Noch eine Sache, die mir spontan einfällt, Alex hat sich die Woche darüber aufgeregt, dass ich in den Études manchmal ellenlange Briefe in kleinster Schrift (und es geht übrigens immer noch kleiner^^)schreibe, weil er sich manchmal so arg langweilt. Also trug ich ihm auf, mir einen inhaltslosen Brief zu schreiben, worauf ihm aber nichts einfiel. Genervt, weil ich in Ruhe weiterschreiben wollte, gab ich ihm drei sinnlose Wörter vor, drei Charaktere und daraus sollte er eine Geschichte schreiben. Aus der einen Geschichte wurden mittlerweile 5 à je ungefähr zwei Seiten, weil es ihm die Zeit vertreibt und Spaß macht, das, was wir hier erleben aufzuschreiben und in eine andere Form mit einer anderen Rahmenhandlung zu bringen. Als ich die erste in den Études gelesen habe, hätte ich heule können vor lachen... Vielleicht tippe ich morgen mal eine ab...

    ich sag mal Gute Nacht, ich weiß nicht, wann ich wieder schreiben, morgen habe ich nichts vor, und Sonntag fahren wir Lyon, da weiß ich nicht wann ich zurückkomme.

    Habe mich übrigens wahnsinnig über eure Mails gefreut - danke.
    September 24

    wie man seine Zeit auch verbringen kann...

    ich saß heute knapp vier Stunden in der Kirche...

    Ich war morgens erst laufen, dann gings in die Messe (meine Gastmutter war Vorsängerin) und anschließend noch irgendein Vorstellungsdings des neuen Pfarrers im Hinterhäuschen mit Plätzchen und Orangensaft.
    Zu Hause Mittagessen und dann freie Zeit, die ich mit Bilder zusammen suchen verbracht habe...
    Nachmittags dann wieder in die Kirche weil dort ein Konzert der "Les petits chanteurs à la croix de bois" war. Anscheinend ziemlich berühmt auch weltweit. Ein eta 30köpfiger Knabenchor 9-15jähriger. Die besuchen irgendne besondere Schule auch und unternehmen Tournéen und so Sachen und war schon eindrucksvoll. Aber ich habe jetzt raus, dass die bequemste Position auf Kirchenbänken grade zu sitzen ist. Also anders gesagt, grade und angestrengt zu sitzen ist das am wenigstens unbequemste so auf Dauer.

    Weil meine Eltern normalerweise pünktlich um 21h anrufen, bin ich um 21h ans Telefon gegangen - unter Gelächter, dass die Deutschen immer "à la pille" - pünktlich auf die Minute wären - und hatte erst mal einen Franzosen am Hörer, den ich weiterleiten musste... Als der dann aufgelegt hat, hat es keine zwei Sekunden gedauert bis das Telefon wieder geklingelt hat^^

    Aber wenn ich den Tag mal so in Stunden zusammenfassen - erste mal 1,5h in der Kirche, 1h Mittagessen (das Essen dauert hier ewig mit allen Gängen und drumherum), frei, 0,5h goûter, also Brotmalzeit, zweite mal 2,5h Kirche, 1h Abendessen...
    macht 4h Kirche und 2,5h Essen. 6,5h des Tages mit Sachen verbracht, die zu Hause höchsten 30min brauchen...

    Danke für eure Mails. So langsam kriege ich zwar echt nen Horror vor dem was ich alles verpasse, aber ich bin hier gut abgelenkt...
    Auf in die nächste Woche, vermisse euch.
    September 23

    ein samstag

    Heute morgen war ich laufen. Immer grade aus, ohne aufhören zu wollen. Immer noch eine Ortschaft weiter. Noch eine Kreuzung. Noch ein Ortsschild weiter.

    Den Tag über habe ich "gearbeitet", gegessen..., rießige Insekten fotographiert (das nicht zu benennende Ding war handgroß), Bilder zusammengesucht (--> morgen werde ich sie hochladen, wenn meine Familie es endlich gebacken kriegt mir die Fotos von dem Acrobranche zu geben....), und abends war ich mit Alex und seinem Gastbruder (Bradlers Double^^) im Kino.

    Ja, Kino. Ich weiß nicht, ob ihr schon mal in einem weniger guten Kino wart, aber das war deutlich das schlechteste, dass sich mir vorgestellt hat. Die Saalgröße belief sich auf schätzungsweise 70 Plätze, die Sitze angebracht auf einer Ebene. Die Projektionsfläche war gering, und die Tonqualität grauenhaft. Man hat nebenher immer die Filmrolle rattern gehört. ...
    Nebenbei ist mir der Kern der Geschichte des Films entgangen, von daher kann ich sagen, dass sich das irgendwie nicht gelohnt hat...


    Guten Nacht meine Lieben. Ich vermisse euch.
    September 22

    Von Nettig-, Neuig- und Nervigkeiten

    Alors, mes amis.

    Ist zwar schon ein bisschen spät und ich bin eigentlich richtig müde, aber die Lust zu schreiben, ist grade zu groß.

    Außerdem haben mir meine Eltern zwei Pakete geschickt, die Woche, auf die ich mich gefreut hatb, wie ein Kind auf Weihnachtsgeschenke. Das Auspackgefühl war auch in etwa das Gleiche. Und dann gleich so viele Sachen auf einmal in einem einzigen Paket und man muss nur einmal auspacken... Allerdings waren auch eine Menge Süßigkeiten dabei (als ob es hier nicht genug gäbe) und ich gönne mir grade Schokoladenkrokantbonbons, obwohl ich sowieso schon Bauchschmerzen habe...
    Ansonsten durfte ich mich über Füller, Locher, so Ringkleber um gelochte Blätter zu verstärken, Briefmarken^^, wie gesagt Süßigkeiten, Jeans, paar Schulbücher noch von hier, Ausdrucke diverser Dokumente, Postkarten - die verspätet ankamen in Deutschland, Tipp-Exx, Briefe, einen Denk-An-Uns-Schlüsselanhänger, Schulausweis mit neuem Foto, das vor den Sommerferien gemacht wurde (bin gespannt auf das Klassenfoto, das haben meine Eltern nicht mitgeschickt)... Kleinskrams halt freuen.

    Die Woche war schon so normal, dass ich mich an einige Sachen gar nicht mehr erinnere, die ich, in dem Moment, in dem ich sie erlebt habe, eigentlich erzählen wollte. Verschwimmt jetzt schon alles zu einem Einheitsbrei....

    Aber ich will mir Mühe geben.
    Man erlebt hier kleine Erfolgserlebnisse, die eigentlich total uninteressant und unbesonders sind, dennoch war es ein gutes Gefühl, in Mathe an der Tafel eine Prozentrechnung vorzurechnen und auf Französisch Antwortsatz und dergleichen zu formulieren.

    Weniger erfreulich und angenehm war eine "Interrogation" in Francais. Aufgabenstellung: Schreiben Sie ihre Autobiographie nach dem Muster von Montaigne und de Beauvoir. Dauer: 1:50h, Umfang min. 2,5 Seiten.
    Ich habe immerhin 1,5 Seiten "geschafft". Aber horrible.

    Unser freier Mittwochnachmittag sollte eigentlich mit ein paar Franzosen im Park stattfinden, leider mussten wir etliche Kilometer durch Bourg-en-Bresse laufen um Einkäufe zu erledigen und hinterlegte Päckchen in Hotels abholen...

    Nebenbei habe ich meinen Sportkurs gewechselt und mache jetzt "Vitesse", also Sprint, und kein "Aerogym", also Pyramidenbauen ,mehr. Leider ist das ungefähr genauso schwach. Trotz praller Sonne, langen schwarzen Sportklamotten und "Sprinttrainingsprogram" war ich keine Minute beansprucht... Dafür muss ein "Sprintprogramm" schon echt schwach sein.

    Die Gespräche mit den Franzosen werden immer amüsanter. Zwischen Abendessen und letzter Etudes verbringen wir die Zeit häufig mit einer Gruppe Franzosen aus der Terminale, also zwölfte Stufe bei uns. Und unterhalten uns weiterhin mit Händen und Füßen auf Französisch, Deutsch, Spanisch, Englisch, Latein und was uns sonst noch einfällt.
    Als Spanisch hinzukam, war das erste was Alexander hervorbrachte - nicht damit rechnend, dass die Franzosen mehr als ein Wort verstehen würden - ein "Tengas un pelo en tu culo", was im ganz übertragenen Sinn etwa "Bist du Stock im A****" heißt. Leider verstand einer von ihnen auf Anhieb, allerdings natürlich ohne das Wissen über diesen deutschen Ausdruck, also die wortwörtliche Übersetzung "Hast du einen Stock im A****" brach in schallendes Gelächter aus, übersetzte für den Rest auf Französisch und entfachte eine Diskussion über Homosexualität. "Diskussion" ist, na ja, übertrieben. Aber ein Wort dafür, dass man dieses Thema zum Anlass nahm, sich übereinander lustig zu machen, fällt mir grade nicht ein.
    Und bei all den Verständigungsversuchen mit Händen, Füßen und sämtlichen Sprachen, peilt Benedikt alleweil überhaupt nichts, macht alle Mund- und Handbewegungen nach und freut sich noch lachend mit, wenn zehn Franzosen plus zwei Deutsche fast auf dem Boden liegen vor lachen und sich nicht mehr einkriegen.
    Ansonsten macht er sich ziemlich gut, da er wirklich überhaupt keine Scheu hat zu sprechen und jeden anquatscht, der ihm über den Weg läuft und dann auch einfach irgendwas Unwichtiges erzählt.
    Desweiteren amüsant ist, dass Alex und ich entweder für Geschwister gehalten werden und wenn dem nicht der Fall ist, zumindest für "petits amis". Vor allen Anderen sind das die kleinen 13jährigen aus den 5ème, 4ème, die abends mit uns am Lycée zu abend essen und grade seit zwei Wochen ein paar Brocken Deutsch können, aber ihren Spaß mit uns haben...

    Apropos Abendessen, Donnerstag gab es "Barbecue". Das heißt, draußen Gegrilltes (also nichts) essen und sich dreimal von neuem anstellen müssen, weil man sich nicht alles, wie sonst, auf sein Tablett legen kann, sondern weil jeder "Gang" einzeln verteilt wird. Es war zwar eine Abwechslung, aber es war kein postive. Da ist mir das dreimalige Zwangsessen im Sitzen in der Cantine mit Tablette und allem drum und dran lieber.
    Wenigstens hat es soviel Zeit in Anspruch genommen, dass die letzte Etude ausfiel. Stattdessen stand ich frierend auf dem Hof, weil ich meine Jacke im Haus gelassen hatte und während des Abendessens, der Zugang zum Haus abgesperrt ist *grummel*.

    Habe ich eigentlich schon mal erzählt, dass es hier keine getrennte Toiletten gibt? Dass hier Mädels wie Jungs die gleichen Toiletten benutzen und es nirgends Klobrillen gibt und teilweise auch keine Seife und Spiegel...
    Und bei uns müssen Arbeitgeber zweimal überlegen, ob sie sie neue Mitarbeiterinnen einstellen wollen, weil damit evlt. die Bereitstellung von Sonderräumen verbunden ist... die Franzosen machen es sich da echt einfacher...

    Und heute war ich nach meiner letzten Stunde noch ne Stunde in nem Park, und habe mir sehr schwer getan von Französisch auf Englisch umzuschalten.Verstehen geht wunderprächtig, aber Sprechen ist ein Kauderwelsch aus Französisch und Englisch und daraus wird ein echt bös schlechtes Englisch. Zumindest heute diese Stunde im Park habe ich mich wirklich schlimm rumgetruckst.

    Morgen werde ich mal einige Bilder hochladen, die ich bis jetzt gemacht habe und eure Mails beantworten =)

    Denke ständig an euch. Gute Nacht.

    NACHTRAG von So, 17. Sept 2006: "le Défilé"

    NACHTRAG

    Mein Wochenende war jetzt insgesamt einfach nur ermüdend.
    Samstags war ich ne Stunde laufen, was echt gut getan hat, mittags hätte ich auch noch helfen können Holz hacken (hier wird anscheinend mit Holz geheizt - *ohne Worte*), aber ich habe mich stattdessen mit Vokabellisten und Hausaufgaben aus Deutschland beschäftigt. Abends hat mich meine Familie in einen Vortrag über die 17 "Clochons" (oder wie auch immer sie heißen), zu deutsch "Glöckchen, der hier zu findenden "Notre-Dame-Église", der einen Vortrag über die Funktionsweise der Orgel beinhaltete, geschleppt. Das einzige was ich verstanden habe, war der Grund, warum fünfzig Rentner lachen mussten, als der Glockenmeister die 17 Clochons vorführen wollte: er hatte sich einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht und wurde unterbrochen von den 9 "Cloches" zu dt. Glocken, die um neun Uhr glockenschwer die Uhrzeit dazwischen gongten. Um es kurz zu beschreiben - das ganze war furchtbar.

    Was solls. Sonntag konnte ich nicht laufen gehen (als ob ich die Woche nicht schon wenig genug nichts machen würde...) weil wir nach Lyon gefahren sind, nicht nach Annecy, weil ein Verwandter der Bekannten die wir da besuchen wollten, verstorben war, um uns dort "Le défilé" anzuschauen. Ein Straßenspektakel quer durch die Fußgängerzone mit verschiedenen, verkleideten Tanzgruppen. War eindrucksvoll, durchaus, aber arig lang. Drei Stunden hats knapp gedauert. in Lyon habe ich aber die ganze Familie kennenlernt, denn die zwei ältesten Töchter studieren dort und wir haben in ihrer Wohnung zu Mittag gegessen.
    Nach der "Le Défilé" (die zwei Artikel klingen grade blöd eigentlich) gings noch in die Messe, weil wir ja schließlich morgens nicht waren... Diese war aber, zugegebenermaßen, eindrucksvoll, wenngleich ich von den Worten nicht alles verstanden habe.
    aber die Kapelle befand sich in einem normalen unscheinbaren Haus in einer Sackgasse, war aber absolut imposant, weil sie so schlicht war und so menschlich. Nicht so "abgehoben" und "erhaben" was mich an katholischen Gottesdiensten stört.
    Diese Kapelle war vom Ausmaß schon eine Kapelle und vom Grundriss, sowie von der Bauart, hoher Kreuzbogen, hohe Fenster, aber die Kirche war sowohl schlicht als auch besonders: gelb gestrichene Wände, ausgeleuchtet durch freundlich warmes, gelbliches Licht, Teppichböden, keine starren Kirchenbänke sondern Stühle und an den Wänden "Tribünen" auf den man sich im Schneidersitz niederlassen konnten.
    Die Messe war anteilig größtenteils von jungen Menschen bis 25 besucht, darunter auch viele Schwarze. Die Predikt wurde von drei "Pfarrern" gehalten, wobei einer schwarz war und "die" dritte weiblich war und unheimlich beeindruckend gesungen hat (von daher bin ich im nachhinhein nicht sicher, was für eine Messe welcher Konfession wir da eigentlich besucht haben).
    Außerdem wurde in diesem Gottesdienst, erstens viel gesungen, zweitens gelacht (!) und drittens geklatscht (!!), in Ressonanz auf die Predikt des afroamerikanischen Pfarrers. Die ich über weite Teile verstanden habe.
    Es war also keine katholisch schwere Messe, sondern ein gläubig freudiger Gottesdienst.
    Sorry, wenn ich euch damit langweile, aber es hat mich doch stark beeindruckt.
    Einzig wirklich negativ war die Dauer - anderthalb Stunden, also bis neun Uhr! und anschließend mussten wir ja noch nach Hause, also nach Bourg-en-Bresse fahren.



    September 15

    Ungewohnheiten

    denn: Heute hat es hier zum ersten Mal geregnet und dafür auch gleich richtig, nämlich inklusive Gewitter. Woraufhin ich mich, bzw. eigentlich Alex sich gewundert hat, dass die Franzosen die Stoffrollos zur Verdunklung außen anbringen, die folglich nass werden, wenn es regnet.

    Zuerst, Vielen lieben Dank für eure zahlreichen Emails! Es tut gut, von euch zu hören!
    Bis auf die meiner Eltern, dass Australien so gut wie geplatzt ist. Aber wir telefonieren nachher und dann werde ich ja hören, was da jetzt schiefgelaufen ist, und was daraus jetzt doch noch wird.

    Irgendwie ist meine Gastfamilie seit einer Stunde verschollen. Also im Haus ist es ganz ruhig. Normalerweise gibt es doch jetzt Abendessen hier?!

    Meine Woche hatte kleine "Höhepunkte".
    Ihr wurden Klassen- sowie Individualfotos für die Schülerausweise gemacht, dass heißt wir kriegen hier sogar Schülerausweise, wobei ich hoffe, dass die aus meinem "ß" im Nachnamen auf dem Ausweis kein "b" machen. So stand mein Nachname nämlich am Anfang in allen Registern... Denn hier werden am Anfang der Stunden, Permenances, oder Etudes die Namenslisten verlesen und auf Anwesendheit überprüft. Anschließend wird ein Zettel mit einem Vermerk, wenn jemand fehlt, an einen dafür vorgesehenen Nagel am Türrahmen gepinnt und im Laufe der Stunde holt denn dann jemand ab. Wenn jemand fehlt, wird er sofort gesucht. In der ersten Woche, wusste ich zum Beispiel nicht, dass ich nach der letzten Nachmittagsstunde in die Études muss und hielt mich auf dem Schulhof auf, bis ich von dem entsprechenden Zetteleinsammler gefunden, aufgeklärt und in die Etudes gebracht wurde. Pas grave.

    Desweiteren haben Alex und ich das "Maison de la Presse" gefunden und da gibt es auch deutsche Zeitung zu kaufen. Und so saßen wir Mittwochnachmittag glückselig mit der FAZ an irgendeinem Brunnen und haben gelesen. Man kriegt hier einfach nichts mit, solange man im Internat ist. Kein TV, keine Zeitungen. Die Franzosen lesen einfach nicht viel Zeitung...
    Und wir haben uns Müsli gekauft, und jetzt hat dieses ewige Baguette morgens ein Ende...

    Was war noch? Achso, ich habe ein neues Zimmer, mit jetzt zwei Mädchen und ohne eigenes Waschbecken und Spiegel. Aber dafür mit zwei Mädels in meinem Alter und davon eine, die mich schon am ersten Schultag betreut hat. Und in meinem neuen Nachbarzimmer wohnt ein Mädchen, dass vier Monate in Deutschland war und wunderbar Deutsch kann.

    Oh meine Familie ist wieder da. Und meine Gastmutter spielt Klavier.
    Ja, in meiner Gastfamilie steht zu meiner Freude ein herrlicher Flügel, und das trotz der verqueren Wohnsituation. Nebenbei ist es hier extrem populär ein Instrument zu lernen und zu spielen. Im Internat kann man in seinen Pausen auch Klavier spielen zum Beispiel... Hier spielt fast jeder irgendein Instrument, Querflöte und Klavier sind dabei am häufigsten vertreten.

    Ein weiteres, naja, Erlebnis war die Geburtstagsfeier eines Mädchens aus der Terminale (entspricht unserer zwölften Klasse) abends um zehn in einem Klassenzimmer mit Kaffee, Kuchen und Orangensaft und alle pensionnierten Mädchen in Schlafanzügen plus eine Surveillante.

    Zu guter Letzt, der Versuch mir ein französisches Kartenspiel beizubringen. Hat geklappt. Mehr oder weniger, denn insgesamt fand ich das Spiel recht simpel und unlogisch und außerdem waren die Franzosen furchtbar fasziniert von meiner "mischtechnik" die ich noch nicht mal richtig beherrsche.

    Mit meinem Französisch läuft es, naja, immerhin besser. Ich verstehe mehr und mehr und spreche auch mehr, aber trotzdem wenig^^
    Nebenbei fange ich an Englisch zu mögen. Und das ist bei meiner eigentlichen Einstellung zu Englisch fast verwunderlich....

    Am Sonntag werden wir nach Ancy fahren, weiß nicht, ob ich morgen auch schreibe, aber ich lasse von mir hören.

    Bis bald
    September 10

    "acrobranche"

    Meine Familie hat mich heute zu einem Ausflug zu einem "Acrobranche", zu Deutsch "Hochseilgarten", mitgenommen.
    Macht extrem viel Spaß, ist extrem teuer, aber war wirklich amüsant. Vor allen Dingen, weil ich prompt auf den Rücken gefallen bin, als ich - glücklich darüber heil wieder auf festem Boden zu stehen - über eine Wurzel oder irgendwas gestolpert bin.
    Richtig blöd^^

    Morgens waren wir in der Kirche - ja meine Familie ist katholisch und gläubig. Und das war, sagen wir mal so, besser als erwartet. Ich konnte dem Ganzen folgen, da mir die Liturgie halbwegs ja bekannt ist, und irgendwie war die Messe doch sehr bewegend. Schöner als deutsche katholische Messen.

    Religion spielt hier sowieso eine große Rolle. Vor dem Essen, was sowieso einen eigenartigen Ablauf hat, wird gebetet. Ja.
    Und um zum Essen zurückzukommen - ist gar nicht schlecht. Aber die Reihenfolge ist echt ungewohnt. Erstens legt man sich stets seine Stoffserviette auf den Schoß, zweitens wird zuerst eine Vorspeise gegessen, aber Vorspeise heißt hier: Salat, oder Nüsse oder Melone oder sonst irgendwas untypisches, dann gibts die mittlerweile kalte Hauptspeise (heute gabs gar einen ganzen Braten, den meine Gastmutter schon morgens um 10 in den Ofen geschoben hatte) und anschließend immer irgendwelchen Nachtisch. Kuchen, Käse oder Joghurt, Frischkäse mit Crème fraîche und Zucker. Zu jeden "Gang" wird Brot gegessen. Und meine Familie isst das teilweise tiefgefroren. Total abartig - wenn kein frisches Brot im Haus ist, gibt es immer welches aus der Tiefkühltruhe.
    Außerdem wird mittags und abends immer warm gegessen... immer das gleiche Prozedere.

    Na ja, wenigstens kann ich hier laufen gehen. Mir fehlt ja meine Fahrradfahrerei unter der Woche. und hier habe ich eine schöne Strecke gefunden.

    Sonst noch irgendwas? Ach so, meine kleine Gastschwester ist total genial. die kümmert sich ganz hemmungslos um mich und quatscht mir in einer Tour ein Ohr habe und will mit mir spielen und lesen und alles und hat kein Problem damit, dass ich nicht viel sage und nicht viel verstehe^^

    So, und jetzt packe ich mal meinen Koffer für die Woche - das nervt mich ja auch irgendwie - zu überlegen, welche Sachen ich die Woche anziehe und welche nicht und blabla.

    Gute Nacht =)
    September 08

    je suis arrivée en France

    okay. ich bin also tatsächlich in Frankreich.

    Ich vermisse euch wie Sau. Das ist krass. Aber ich will erzählen, wie die erste Woche war.

    Das französische Schulsytem ist, na ja, gewöhnungsbedürftig.
    Wir sind im Lycée in der "Première L" das entspricht der elften Klasse unserer Oberstufe, und das "L" steht für den Bildungszweig "litteraire", also eine starker Schwerpunkt auf Sprachenfächer.
    Ich habe vier Stunden Anglais Europe, zwei Stunden ENRF (Anglais renforcée, also intensiver, keine Ahnung, es konnte mir noch keiner deutlich artikuliert sagen, was diese Abkürzung heißt) und zwei Stunden Histoire Geographie Anglais (also Geschichte und Erdkunde auf Englisch). Als insgesamt acht Stunden Englisch.
    Desweiteren drei Stunden Deutsch (das ist herrlich und macht saumäßig viel Spaß) und nochmal sechs Stunden Französisch.
    Hier kann man auch Chinesisch lernen =). Leider haben die das schon seit einem Jahr. ^^

    (EDIT (So, 10. Sept. 2006): Habe den Stundenplan jetzt mal als .bmp-Datei hochgeladen, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt^^)

    Außer Englisch und Deutsch können wir eigentlich alle Stunden vergessen, es ist unheimlich schwer zu folgen aufgrund der mangelnden Französischkompetenzen. In Mathe machen wir Prozentrechnung, aber in einer Form, die dem Unterricht unserer Siebten-Klasse-Kenntnisse entspricht... Englisch können die Franzosen bis auf wenige Ausnahmen auch nicht besonders. Eher im Gegenteil, it's amazing.

    Grade bin ich das erste Mal seit einer Woche alleine, und habe niemanden um mich. Sitze also im Zimmer im Haus meiner Gastfamille. Meine Gasteltern sind sehr nett, sehr herzlich, respektieren mein Unverständnis der Sprache und nehmen Rücksicht darauf, aber sie sind katholisch, streng und haben keine Wohnkultur. also das Haus hier ist ebenso naja, "eigen" wie ihr Auto. Alles zugeramscht, eigentlich antique schöne Möbel, aber teilweise, schrottige Möbel, dann kleine Accesoires, überall. Das Wohnzimmer ist im Keller, welcher nur eine Wand hat und wo auch die Fahrräder stehen und Konserven, wie halt so ein Keller aussieht. Eigentlich sehr ungemütlich...
    Aber einen ultramodernen Kühlschrank. Irre.
    Meine kleine Gastschwester (8) nervt es überhaupt nicht, dass ich nicht viel verstehe und nur komische Sachen sage, die erzählt mir die ganze Zeit irgendwas und zeigt mir hier alles.

    Ich habe schon wieder enorm viel vergessen, von dem, was die Woche alles passiert ist.
    Mir gehts soweit ganz gut. Ich bin genervt von mir, dass ich mich nicht traue zu sprechen, ich denke schon ständig auf Französisch, aber es auszusprechen, misslingt mir erstens, zweitens vergesse ich es während ich es sage. Ich bin froh über jeden der mit mir dann auch kurzzeitig mal Englisch spricht.
    Vorhin hatte ich ein Tief, als ich allein in meinem ungemütlichen Gastzuhause war.

    In dem Sinne, ihr fehlt mir.
    Gute Nacht


    Currently Thinking Of: Every act of conscious learning requires the willingnes to suffer an injury to one's self-esteem. that is why young children, before they are aware of their own self-importance, learn so easily.
    September 01

    noch zu Hause

    noch bin ich zu Hause, sitze hier rum, organisier aller Hand, bin gestresst, packe nebenher ein bisschen schon und habe mich soeben entschlossen, mir einen Blog anzulegen, auch wenn das normalerweise nicht so meins ist^^ aber ich werde auch keine Lust haben, dreimal am Tag das gleiche zu erzählen, also drehe ich den Spieß um: wen es interessiert, wie es mir in Frankreich ergeht, darf sich auf meinen "Space" verirren... Gott, wie ich dieses Wort jetzt schon hasse. ^^
     
    Leider konnte ich mich heute nur von ganz wenigen verabschieden, sodass ich heute schon mein erstes Frankreichtief hatte, bevor ich überhaupt einen Fuß in dieses Land gesetzt habe...
     
    Außerdem kann ich hier auch Fotos hochladen, weil mich jetzt schon viele drauf angesprochen haben, Fotos die ich mache, doch zu schicken... und durfte mir schon viel Spott anhören, dass man dafür aber ausgezeichnete Übertragungsraten bräuchte, bei meinen Bildermengen...
     
    Jo, ^^ ist mir recht.
     
    Ich werde bestimmt nicht regelmäßigen posten, aber ich hab jetzt zumindest einen Anfang gemacht.
     
    EDIT. man, ich bin dann ja auch jemand, der seine Einträge 45783mal überarbeitet....