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    September 22

    NACHTRAG von So, 17. Sept 2006: "le Défilé"

    NACHTRAG

    Mein Wochenende war jetzt insgesamt einfach nur ermüdend.
    Samstags war ich ne Stunde laufen, was echt gut getan hat, mittags hätte ich auch noch helfen können Holz hacken (hier wird anscheinend mit Holz geheizt - *ohne Worte*), aber ich habe mich stattdessen mit Vokabellisten und Hausaufgaben aus Deutschland beschäftigt. Abends hat mich meine Familie in einen Vortrag über die 17 "Clochons" (oder wie auch immer sie heißen), zu deutsch "Glöckchen, der hier zu findenden "Notre-Dame-Église", der einen Vortrag über die Funktionsweise der Orgel beinhaltete, geschleppt. Das einzige was ich verstanden habe, war der Grund, warum fünfzig Rentner lachen mussten, als der Glockenmeister die 17 Clochons vorführen wollte: er hatte sich einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht und wurde unterbrochen von den 9 "Cloches" zu dt. Glocken, die um neun Uhr glockenschwer die Uhrzeit dazwischen gongten. Um es kurz zu beschreiben - das ganze war furchtbar.

    Was solls. Sonntag konnte ich nicht laufen gehen (als ob ich die Woche nicht schon wenig genug nichts machen würde...) weil wir nach Lyon gefahren sind, nicht nach Annecy, weil ein Verwandter der Bekannten die wir da besuchen wollten, verstorben war, um uns dort "Le défilé" anzuschauen. Ein Straßenspektakel quer durch die Fußgängerzone mit verschiedenen, verkleideten Tanzgruppen. War eindrucksvoll, durchaus, aber arig lang. Drei Stunden hats knapp gedauert. in Lyon habe ich aber die ganze Familie kennenlernt, denn die zwei ältesten Töchter studieren dort und wir haben in ihrer Wohnung zu Mittag gegessen.
    Nach der "Le Défilé" (die zwei Artikel klingen grade blöd eigentlich) gings noch in die Messe, weil wir ja schließlich morgens nicht waren... Diese war aber, zugegebenermaßen, eindrucksvoll, wenngleich ich von den Worten nicht alles verstanden habe.
    aber die Kapelle befand sich in einem normalen unscheinbaren Haus in einer Sackgasse, war aber absolut imposant, weil sie so schlicht war und so menschlich. Nicht so "abgehoben" und "erhaben" was mich an katholischen Gottesdiensten stört.
    Diese Kapelle war vom Ausmaß schon eine Kapelle und vom Grundriss, sowie von der Bauart, hoher Kreuzbogen, hohe Fenster, aber die Kirche war sowohl schlicht als auch besonders: gelb gestrichene Wände, ausgeleuchtet durch freundlich warmes, gelbliches Licht, Teppichböden, keine starren Kirchenbänke sondern Stühle und an den Wänden "Tribünen" auf den man sich im Schneidersitz niederlassen konnten.
    Die Messe war anteilig größtenteils von jungen Menschen bis 25 besucht, darunter auch viele Schwarze. Die Predikt wurde von drei "Pfarrern" gehalten, wobei einer schwarz war und "die" dritte weiblich war und unheimlich beeindruckend gesungen hat (von daher bin ich im nachhinhein nicht sicher, was für eine Messe welcher Konfession wir da eigentlich besucht haben).
    Außerdem wurde in diesem Gottesdienst, erstens viel gesungen, zweitens gelacht (!) und drittens geklatscht (!!), in Ressonanz auf die Predikt des afroamerikanischen Pfarrers. Die ich über weite Teile verstanden habe.
    Es war also keine katholisch schwere Messe, sondern ein gläubig freudiger Gottesdienst.
    Sorry, wenn ich euch damit langweile, aber es hat mich doch stark beeindruckt.
    Einzig wirklich negativ war die Dauer - anderthalb Stunden, also bis neun Uhr! und anschließend mussten wir ja noch nach Hause, also nach Bourg-en-Bresse fahren.



    September 15

    Ungewohnheiten

    denn: Heute hat es hier zum ersten Mal geregnet und dafür auch gleich richtig, nämlich inklusive Gewitter. Woraufhin ich mich, bzw. eigentlich Alex sich gewundert hat, dass die Franzosen die Stoffrollos zur Verdunklung außen anbringen, die folglich nass werden, wenn es regnet.

    Zuerst, Vielen lieben Dank für eure zahlreichen Emails! Es tut gut, von euch zu hören!
    Bis auf die meiner Eltern, dass Australien so gut wie geplatzt ist. Aber wir telefonieren nachher und dann werde ich ja hören, was da jetzt schiefgelaufen ist, und was daraus jetzt doch noch wird.

    Irgendwie ist meine Gastfamilie seit einer Stunde verschollen. Also im Haus ist es ganz ruhig. Normalerweise gibt es doch jetzt Abendessen hier?!

    Meine Woche hatte kleine "Höhepunkte".
    Ihr wurden Klassen- sowie Individualfotos für die Schülerausweise gemacht, dass heißt wir kriegen hier sogar Schülerausweise, wobei ich hoffe, dass die aus meinem "ß" im Nachnamen auf dem Ausweis kein "b" machen. So stand mein Nachname nämlich am Anfang in allen Registern... Denn hier werden am Anfang der Stunden, Permenances, oder Etudes die Namenslisten verlesen und auf Anwesendheit überprüft. Anschließend wird ein Zettel mit einem Vermerk, wenn jemand fehlt, an einen dafür vorgesehenen Nagel am Türrahmen gepinnt und im Laufe der Stunde holt denn dann jemand ab. Wenn jemand fehlt, wird er sofort gesucht. In der ersten Woche, wusste ich zum Beispiel nicht, dass ich nach der letzten Nachmittagsstunde in die Études muss und hielt mich auf dem Schulhof auf, bis ich von dem entsprechenden Zetteleinsammler gefunden, aufgeklärt und in die Etudes gebracht wurde. Pas grave.

    Desweiteren haben Alex und ich das "Maison de la Presse" gefunden und da gibt es auch deutsche Zeitung zu kaufen. Und so saßen wir Mittwochnachmittag glückselig mit der FAZ an irgendeinem Brunnen und haben gelesen. Man kriegt hier einfach nichts mit, solange man im Internat ist. Kein TV, keine Zeitungen. Die Franzosen lesen einfach nicht viel Zeitung...
    Und wir haben uns Müsli gekauft, und jetzt hat dieses ewige Baguette morgens ein Ende...

    Was war noch? Achso, ich habe ein neues Zimmer, mit jetzt zwei Mädchen und ohne eigenes Waschbecken und Spiegel. Aber dafür mit zwei Mädels in meinem Alter und davon eine, die mich schon am ersten Schultag betreut hat. Und in meinem neuen Nachbarzimmer wohnt ein Mädchen, dass vier Monate in Deutschland war und wunderbar Deutsch kann.

    Oh meine Familie ist wieder da. Und meine Gastmutter spielt Klavier.
    Ja, in meiner Gastfamilie steht zu meiner Freude ein herrlicher Flügel, und das trotz der verqueren Wohnsituation. Nebenbei ist es hier extrem populär ein Instrument zu lernen und zu spielen. Im Internat kann man in seinen Pausen auch Klavier spielen zum Beispiel... Hier spielt fast jeder irgendein Instrument, Querflöte und Klavier sind dabei am häufigsten vertreten.

    Ein weiteres, naja, Erlebnis war die Geburtstagsfeier eines Mädchens aus der Terminale (entspricht unserer zwölften Klasse) abends um zehn in einem Klassenzimmer mit Kaffee, Kuchen und Orangensaft und alle pensionnierten Mädchen in Schlafanzügen plus eine Surveillante.

    Zu guter Letzt, der Versuch mir ein französisches Kartenspiel beizubringen. Hat geklappt. Mehr oder weniger, denn insgesamt fand ich das Spiel recht simpel und unlogisch und außerdem waren die Franzosen furchtbar fasziniert von meiner "mischtechnik" die ich noch nicht mal richtig beherrsche.

    Mit meinem Französisch läuft es, naja, immerhin besser. Ich verstehe mehr und mehr und spreche auch mehr, aber trotzdem wenig^^
    Nebenbei fange ich an Englisch zu mögen. Und das ist bei meiner eigentlichen Einstellung zu Englisch fast verwunderlich....

    Am Sonntag werden wir nach Ancy fahren, weiß nicht, ob ich morgen auch schreibe, aber ich lasse von mir hören.

    Bis bald
    September 10

    "acrobranche"

    Meine Familie hat mich heute zu einem Ausflug zu einem "Acrobranche", zu Deutsch "Hochseilgarten", mitgenommen.
    Macht extrem viel Spaß, ist extrem teuer, aber war wirklich amüsant. Vor allen Dingen, weil ich prompt auf den Rücken gefallen bin, als ich - glücklich darüber heil wieder auf festem Boden zu stehen - über eine Wurzel oder irgendwas gestolpert bin.
    Richtig blöd^^

    Morgens waren wir in der Kirche - ja meine Familie ist katholisch und gläubig. Und das war, sagen wir mal so, besser als erwartet. Ich konnte dem Ganzen folgen, da mir die Liturgie halbwegs ja bekannt ist, und irgendwie war die Messe doch sehr bewegend. Schöner als deutsche katholische Messen.

    Religion spielt hier sowieso eine große Rolle. Vor dem Essen, was sowieso einen eigenartigen Ablauf hat, wird gebetet. Ja.
    Und um zum Essen zurückzukommen - ist gar nicht schlecht. Aber die Reihenfolge ist echt ungewohnt. Erstens legt man sich stets seine Stoffserviette auf den Schoß, zweitens wird zuerst eine Vorspeise gegessen, aber Vorspeise heißt hier: Salat, oder Nüsse oder Melone oder sonst irgendwas untypisches, dann gibts die mittlerweile kalte Hauptspeise (heute gabs gar einen ganzen Braten, den meine Gastmutter schon morgens um 10 in den Ofen geschoben hatte) und anschließend immer irgendwelchen Nachtisch. Kuchen, Käse oder Joghurt, Frischkäse mit Crème fraîche und Zucker. Zu jeden "Gang" wird Brot gegessen. Und meine Familie isst das teilweise tiefgefroren. Total abartig - wenn kein frisches Brot im Haus ist, gibt es immer welches aus der Tiefkühltruhe.
    Außerdem wird mittags und abends immer warm gegessen... immer das gleiche Prozedere.

    Na ja, wenigstens kann ich hier laufen gehen. Mir fehlt ja meine Fahrradfahrerei unter der Woche. und hier habe ich eine schöne Strecke gefunden.

    Sonst noch irgendwas? Ach so, meine kleine Gastschwester ist total genial. die kümmert sich ganz hemmungslos um mich und quatscht mir in einer Tour ein Ohr habe und will mit mir spielen und lesen und alles und hat kein Problem damit, dass ich nicht viel sage und nicht viel verstehe^^

    So, und jetzt packe ich mal meinen Koffer für die Woche - das nervt mich ja auch irgendwie - zu überlegen, welche Sachen ich die Woche anziehe und welche nicht und blabla.

    Gute Nacht =)
    September 08

    je suis arrivée en France

    okay. ich bin also tatsächlich in Frankreich.

    Ich vermisse euch wie Sau. Das ist krass. Aber ich will erzählen, wie die erste Woche war.

    Das französische Schulsytem ist, na ja, gewöhnungsbedürftig.
    Wir sind im Lycée in der "Première L" das entspricht der elften Klasse unserer Oberstufe, und das "L" steht für den Bildungszweig "litteraire", also eine starker Schwerpunkt auf Sprachenfächer.
    Ich habe vier Stunden Anglais Europe, zwei Stunden ENRF (Anglais renforcée, also intensiver, keine Ahnung, es konnte mir noch keiner deutlich artikuliert sagen, was diese Abkürzung heißt) und zwei Stunden Histoire Geographie Anglais (also Geschichte und Erdkunde auf Englisch). Als insgesamt acht Stunden Englisch.
    Desweiteren drei Stunden Deutsch (das ist herrlich und macht saumäßig viel Spaß) und nochmal sechs Stunden Französisch.
    Hier kann man auch Chinesisch lernen =). Leider haben die das schon seit einem Jahr. ^^

    (EDIT (So, 10. Sept. 2006): Habe den Stundenplan jetzt mal als .bmp-Datei hochgeladen, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt^^)

    Außer Englisch und Deutsch können wir eigentlich alle Stunden vergessen, es ist unheimlich schwer zu folgen aufgrund der mangelnden Französischkompetenzen. In Mathe machen wir Prozentrechnung, aber in einer Form, die dem Unterricht unserer Siebten-Klasse-Kenntnisse entspricht... Englisch können die Franzosen bis auf wenige Ausnahmen auch nicht besonders. Eher im Gegenteil, it's amazing.

    Grade bin ich das erste Mal seit einer Woche alleine, und habe niemanden um mich. Sitze also im Zimmer im Haus meiner Gastfamille. Meine Gasteltern sind sehr nett, sehr herzlich, respektieren mein Unverständnis der Sprache und nehmen Rücksicht darauf, aber sie sind katholisch, streng und haben keine Wohnkultur. also das Haus hier ist ebenso naja, "eigen" wie ihr Auto. Alles zugeramscht, eigentlich antique schöne Möbel, aber teilweise, schrottige Möbel, dann kleine Accesoires, überall. Das Wohnzimmer ist im Keller, welcher nur eine Wand hat und wo auch die Fahrräder stehen und Konserven, wie halt so ein Keller aussieht. Eigentlich sehr ungemütlich...
    Aber einen ultramodernen Kühlschrank. Irre.
    Meine kleine Gastschwester (8) nervt es überhaupt nicht, dass ich nicht viel verstehe und nur komische Sachen sage, die erzählt mir die ganze Zeit irgendwas und zeigt mir hier alles.

    Ich habe schon wieder enorm viel vergessen, von dem, was die Woche alles passiert ist.
    Mir gehts soweit ganz gut. Ich bin genervt von mir, dass ich mich nicht traue zu sprechen, ich denke schon ständig auf Französisch, aber es auszusprechen, misslingt mir erstens, zweitens vergesse ich es während ich es sage. Ich bin froh über jeden der mit mir dann auch kurzzeitig mal Englisch spricht.
    Vorhin hatte ich ein Tief, als ich allein in meinem ungemütlichen Gastzuhause war.

    In dem Sinne, ihr fehlt mir.
    Gute Nacht


    Currently Thinking Of: Every act of conscious learning requires the willingnes to suffer an injury to one's self-esteem. that is why young children, before they are aware of their own self-importance, learn so easily.
    September 01

    noch zu Hause

    noch bin ich zu Hause, sitze hier rum, organisier aller Hand, bin gestresst, packe nebenher ein bisschen schon und habe mich soeben entschlossen, mir einen Blog anzulegen, auch wenn das normalerweise nicht so meins ist^^ aber ich werde auch keine Lust haben, dreimal am Tag das gleiche zu erzählen, also drehe ich den Spieß um: wen es interessiert, wie es mir in Frankreich ergeht, darf sich auf meinen "Space" verirren... Gott, wie ich dieses Wort jetzt schon hasse. ^^
     
    Leider konnte ich mich heute nur von ganz wenigen verabschieden, sodass ich heute schon mein erstes Frankreichtief hatte, bevor ich überhaupt einen Fuß in dieses Land gesetzt habe...
     
    Außerdem kann ich hier auch Fotos hochladen, weil mich jetzt schon viele drauf angesprochen haben, Fotos die ich mache, doch zu schicken... und durfte mir schon viel Spott anhören, dass man dafür aber ausgezeichnete Übertragungsraten bräuchte, bei meinen Bildermengen...
     
    Jo, ^^ ist mir recht.
     
    Ich werde bestimmt nicht regelmäßigen posten, aber ich hab jetzt zumindest einen Anfang gemacht.
     
    EDIT. man, ich bin dann ja auch jemand, der seine Einträge 45783mal überarbeitet....